Ruedi Graf
15.07.2015 / 8 Minuten Lesezeit

Worin unter­scheiden sich Lean und Six­Sigma?

Sie haben sich vielleicht auch schon gefragt, worin sich Lean und SixSigma unterscheiden oder ob vielleicht das Gleiche dahinter steckt und nur anders heisst?

Die beiden Methoden zielen grundsätzlich darauf ab, Kundenforderungen noch genauer und unter wirtschaftlichen Kriterien zu erfüllen. Die Berücksichtigung der Kundenforderungen steht also bei beiden Methoden im Vordergrund. Gemäss der Lean-Philosophie zeichnen sich schlanke Prozesse durch die vier Merkmale Störungsfreiheit, Fluss, Takt und Pull-Prinzip aus.

Die Störungsfreiheit als wichtigstes Lean-Merkmal liegt auch der SixSigma-Philosophie zugrunde. Störungsfrei heisst, die Reduktion der Fehlerrate in Richtung SixSigma und mit dem Ziel, Null-Fehler in allen Prozessen zu erreichen.

Beide Philosophien haben also die Störungsfreiheit als wichtigstes Gedankengut im Hintergrund. Die Lean-Welt möchte aber noch mehr erreichen als reine Störungsfreiheit, denn man kann auch mit viel Verschwendung störungsfrei sein.

Die Unterschiede lassen sich am Besten in Form eines Beispiels erläutern mit einem Flug von Zürich nach Nürnberg:

Bei SixSigma hat die Statistik zudem einen sehr hohen Stellenwert, und in der Ausbildung der Green- und Black-Belts gehören Statistikprogramme mit zu den wichtigsten Lerninhalten.
Aus meinen Praxiserfahrungen aus mehreren Unternehmen zeigen sich bei der Umsetzung von SixSigma gerade in diesem Punkt oft Schwierigkeiten. Oft fehlen genügend auswertbare Daten, die klare Aussagen aus Statistikprogrammen ableiten lassen. Oft spielt auch der Faktor Mensch eine wesentliche Rolle in Unternehmensprozessen, und dieser Verhält sich nicht immer «normalverteilt».

In vielen Fällen müssen zuerst Prozesse klar definiert und standardisiert werden, um diese dann mit Statistiken auswerten zu können. Etwas einfacher verhält es sich bei Prozessen, die maschinell gesteuert werden, da können Einstellwerte verändert und die Auswirkungen klar gemessen werden.

 

Mein Fazit:

  • Maschinelle Prozesse mit einer grossen Anzahl Wiederholungen lassen sich einfacher mit SixSigma-Methoden auswerten als manuell durchgeführte Prozesse.
  • Störungsfreiheit erreichen wir zuerst einmal mit klar definierten und standardisierten Prozessen.
  • Lean nutzt die Störungsfreiheit als einen ersten Schritt zur Reduzierung von Verschwendung.
  • SixSigma und Lean ergänzen sich und sollen keinesfalls gegeneinander ausgespielt werden.

Ich bin der Meinung, dass die Lean-Methodik mehr Möglichkeiten zur Optimierungen in Unternehmen bietet und diese gezielt durch einzelne Tools aus der SixSigma-Methodik unterstützt werden kann.

Haben Sie andere Erfahrungen mit Lean, SixSigma oder sogar in Kombination beider Methoden gemacht? Ich bin gespannt auf Ihre Reaktionen.

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